Wissenswertes/ Haltung
HIer findet ihr alles an Wissen für die Mantidenhaltung.
Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr mich gerne kontaktieren.
Bitte lesen und informieren, bevor ihr euch ein Tier holt.
Was benötigt man für den Anfang?
- Ein Terrarium mit Doppelbelüftung (um Staunässe und Stauluft zu vermeiden), in der zu der Art passenden Größe (Dreifache Länge des Körpers nach unten, sollte freier Platz gegeben sein) mit Gaze oder einer Kokosmatte an der Decke und Rückwand. Was auch zu bedenken ist, das Terrarium sollte eine Frontöffnung besitzen, da Mantiden die meiste Zeit an der Decke verbringen. Falls ihr ein Exoterra verwendet, rate ich euch, die Gaze die sich oben befindet mit Stoff oder Plastikfliegengitter zu ersetzen oder zu überkleben, da sich Mantiden an der Metallgaze die Beine abreissen können.
- Einige Klettermöglichkeiten (Äste, Zweige, Rindenstücke in der richtigen Dicke) vom Boden zur Decke und auch quer an der Decke, da Mantiden da meist gerne abhängen und es auch für die Häutungen wichtig ist, dass sie guten Halt haben.
- Bodengrund (Erde/ Sand/ Kokoshumus und Moos und Pinienrinde).
- Thermometer/ Hygrometer
- Eine Lampe, die von außen das Terrarium beleuchtet. UV ist nicht notwendig für die Tiere. 25 W sind meistens ausreichend. KEINE Heizmatten verwenden, da in der Natur die Hitze von oben kommt und die Tiere automatisch Richtung Boden wandern, wenn ihnen zu heiß wird. Was bei einer Heizmatte ein fataler Fehler wäre.
- (Kunst)pflanzen, um das Terrarium artgerecht zu gestalten und dem Tier Versteckmöglichkeiten zu bieten.
- Lebende und gut gefütterte Futtertiere in der passenden Größe (nicht größer als der Hinterleib des Tieres)
- Eine Pinzette (am besten aus Federstahl damit man das Futtertier nicht irrtümlich zerquetscht)
- Eine Sprühflasche für die Luftfeuchtigkeit, aber auch dass das Tier trinken kann, wenn es durstig ist.
- Aquariensilikon um Äste etc. besser befestigen zu können
Basics Mantidenhaltung
Haltung
- Mantiden bitte nicht in Einmachgläsern halten. Es ist keine Doppelbelüftung vorhanden
- Es kann sein dass eine Gottesanbeterin vor und nach den Häutungen 1-2 Tage nichts frisst.
- Nach der Häutung mindestens 24h in Ruhe lassen (nicht füttern, nicht bewegen, nicht rausnehmen), da sie aushärten muss. Nach der Adulthäutung (Erwachsen, erkennbar an den Flügeln die sich bilden), lieber noch länger.
- Die meisten Gottesanbeterinnen sind Einzelgänger, bitte auch so halten. Sollten Gottesanbeterinnen zur Gruppenhaltung geeignet sein, steht das explizit dabei. Sollte man mehrere Mantiden besitzen, bitte darauf achten, dass ein Sichtschutz zwischen den Terrarien ist.
- Keine Parfüms, Chemikalien oder Insektizide versprühen. Vorsicht mit Duftkerzen und ätherischen Ölen. Terrarien maximal mit Essigwasser oder Zitrone reinigen, Tier vorher rausnehmen.
- Terrarien nicht in die Sonne stellen, da sie unkontrolliert aufheizen können.
- Vorsicht mit offenen Fenstern und Türen wenn Tiere auf Freigang sind.
- Die Gottesanbeterin nicht in die Natur entlassen. (Im Falle des Falles, bitte mich kontaktieren)
- Die Gottesanbeterin nicht gewaltsam aus dem Terrarium holen, lieber auf einen Stock klettern lassen.
- Aufpassen dass kein Schimmel im Terrarium ist (Feuchtigkeit reduzieren bzw. Weiße Asseln oder Springschwänze reinsetzen) Im Notfall Substrat tauschen und Terrarium reinigen.
- Terrarien zuerst 2 Wochen „einlaufen lassen“ um etwaige Schimmelbildung und Feuchtigkeits- und Temperaturentwicklung beobachten zu können.
- Wenn die Augen der Gottesanbeterin nachts dunkler werden, ist das kein Grund zur Besorgnis. Das ist sowas wie ein Nachtsichtmodus.
- Keine Lampen ins Terrarium hängen, sondern von außen beleuchten. Insekten und Licht..., wenn man im Sommer nachts das Fenster öffnet, weiß man, was ich meine. ;)
- Für kleinere Stadien kein zu großes Terrarium wählen, da der Kontakt mit dem Futtertier eventuell schwer herzustellen ist, und da Mantiden wahre Versteckkünstler sind, wird es schwierig sie zu finden.
- Die Gottesanbeterin nicht „frei halten“ sondern in Ihrem Terrarium. Mehr dazu auf meiner Website
Futter
- Keine zu großen Futtertiere füttern. Auch wenn die Gottesanbeterin sie fängt, sie überisst sich meistens und übergibt sich dann.
- Die Gottesanbeterin ist ein reiner Insektenfresser, bitte nur lebende Insekten füttern.
- Futtertiere immer sauber halten und gut ernähren. Auch eine Gottesanbeterin, ist was sie isst.
- Bitte auf vergessene, nicht gefressene Futtertiere achten, vor allem beim Terrarien öffnen.
- Futterreste so gut es geht entfernen.
- Futtertiere werden in der Terraristik gerne mit einem Kalziumhaltigen Präparat bestäubt, was super ist für Reptilien, aber nicht gut für die Gottesanbeterin, da sie Probleme beim Häuten bekommt.
Freihaltung von Mantiden
In vielen Internetforen gibt es die Meinung, dass man Gottesanbeterinnen ganz leicht auf einer Pflanze frei halten kann. Stimmt das?
Ganz grundsätzlich: NEIN
Warum?
1. Im Terrarium sind die Bedingungen leichter herzustellen und konstanter zu halten.
2. Ich kann besser kontrollieren ob meine Gottesanbeterin ihr Futter erwischt hat
3. Kleine Stadien sind sehr sprungfreudig, und wirklich schwierig zu finden, wenn sie sich mal auf die Wanderschaft machen.
Folgen die infolge der Freihaltung auftreten:
Da Insekten ihre Körperwärme nicht selbst produzieren, sind sie von Ihrer Umgebungstemperatur abhängig.
Dadurch dass zB. Temperatur und Luftfeuchtigkeit nicht stimmen, fährt der Metabolismus des Tieres herunter und es kann zu Verdauungsschwierigkeiten und Häutungsproblemen kommen.
Weibchen sind zwar meist sehr standorttreu, die Männchen aber nicht und es kann sein dass man sie dann 3 Tage später irgendwo ganz abgemagert findet.
Es spricht nicht dagegen seine Tiere für ein paar Stunden bzw. Tage mal herauszunehmen aber bitte aufpassen, vor allem die Männchen haben meist das Talent, sich an für sie wirklich ungünstige Positionen zu setzen. (Auf den Fußboden zB.)
Und bitte immer Vorsicht beim Lüften und allgemein mit offenen Fenstern und Türen.
Beispiele zur Terrarieneinrichtung
Hier seht ihr ein paar Beispiele wie man Terrarien einrichten sollte.
So bitte nicht!!!!
Hier seht ihr ein paar Beispiele wie man Terrarien NICHT einrichten sollte
Die 15 häufigsten Fehler in der Mantidenhaltung
Keine Doppelbelüftung
Mantidenterrarien benötigen unbedingt eine Doppelbelüftung, da die Tiere sehr empfindlich auf Stauluft reagieren. Wichtig, ist eine Belüftungsfläche oben und eine vorne unten (Kamineffekt). Man kann sich auch mit aufgeschnittenen Schlauchstücken aushelfen, die man an der Tür einklemmt.
Nicht genügend Äste
Bitte darauf achten, dass die Tiere sich am liebsten auf Ästen häuten.
Diese Äste sind wichtig, damit das Tier sich gut festhalten und auch häuten kann. Die Äste müssen auch quer an der Decke verlaufen. Das wirkt zwar am Anfang schwer umzusetzen, notfalls das Terrarium einfach, beim Einrichten, auf den Kopf stellen. Beim Festkleben sollte Aquariensilikon verwendet werden, da der ungefährlich für Tiere ist (bitte trotzdem auslüften lassen), wohingegen Silikon aus dem Sanitärbereich meist mit Fungiziden und ähnlichem präpariert ist. Man kann die Äste auch einklemmen, bitte darauf achten, dass die auch wirklich halten, nicht dass die herunterfallen, wenn das Tier sich darauf bewegt. Eine Rückwand aus Kokosmatte oder Kork hilft da ungemein, da man die Äste besser befestigen kann, noch besser ist es, die Rückwand links und rechts zu befestigen, so kann auch bei den Ästen mit Heißkleber gearbeitet werden, da Heißkleber schlecht auf Glas hält. Um das optisch schöner zu gestalten, kann die Klebestelle, kurz bevor sie trocknet, mit Bodengrund oder Moos, den man einfach drüberstreut und ein bisschen festdrückt, verschönert werden. Außerdem kann man so auch mehrere Terrarien nebeneinander stellen, ohne dass die Tiere sich sehen. (Mantiden sind meist Kannibalen und nehmen andere Mantiden als Futter oder Bedrohung wahr, was zu Stress bei den Tieren führt)
Falsches Terrarium im Allgemeinen
Mantiden verbringen die meiste Zeit Ihres Lebens an der Decke, deshalb sollten Mantidenterrarien von vorne zu öffnen sein, und, um es hier nochmals zu erwähnen, eine Doppelbelüftung haben. Keine Aquarien, keine Einmachgläser, keine Terrarien die von oben zu öffnen sind. Das Terrarium sollte auch die richtige Größe haben. Als Faustregel gilt, die dreifache Körperlänge des Tieres als Höhe. Kleinere Stadien empfehle ich nicht in Endterrarien zu halten, da man das Tier oft schwer findet (Tarnkünstler), das Tier schwerer mit seinem Futter in Kontakt kommt und man schwer kontrollieren kann, ob das Tier überhaupt gefressen hat. Kleinere Stadien am besten in dem Becher halten, in dem ihr sie von mir bekommt. Bitte immer darauf achten, dass das Tier nicht irgendwann zu groß für den Becher wird.
Frei-im-Zimmer-Haltung
Viele propagieren es, ich mach das nicht. Mantiden sollten nicht dauerhaft im Zimmer frei auf einer Pflanze gehalten werden. Warum? Man kann das Mikroklima (Luftfeuchte und Temperatur) nicht so gut einhalten und kontrollieren. Mantiden sind ektotherm, sprich Ihre Vitalität und Körperfunktionen sind von Ihrer Umgebungstemperatur abhängig (Sie können Ihre Körpertemperatur nicht selbst regeln). Außerdem kommen die meisten Mantiden aus sub-/tropischen Gebieten, was bedeutet, dass die meist eine höhere Luftfeuchtigkeit (60-80%) benötigen, welche in unseren Wohnräumen schwer herzustellen ist, und ich denke keiner bei uns mag so ein feuchtes Klima in der Wohnung.
Folgen die auftreten können:
Verdauungsschwierigkeiten:
Das Tier kann das Futter nicht verdauen, welches dann im Körper des Tieres vor sich hin fault und die Mantide krank macht. Mantiden kann man leider schwer zum Tierarzt bringen und man kann Ihnen auch kaum helfen, wenn es mal zu spät ist.
Fehlhäutungen:
Das Tier kann sich, meist aufgrund von zu geringer Luftfeuchtigkeit, schwer Häuten, was zu Deformierungen oder dem Ableben des Tieres führt. Mantiden können Fehlhäutungen mit den nächsten Häutungen manchmal auch korrigieren. Sollte die Deformierung allerdings so schwer sein, dass das Tier nicht mehr laufen, jagen oder sich häuten kann, bleibt einem meist nicht mehr übrig, als das Tier zu erlösen (Einfrieren) oder es bis an sein Lebensende mit der Pinzette zu füttern.
Falsche Parameter
Dem Tier nicht die Parameter geben, die es benötigt. Warum und weshalb das wichtig ist, steht im vorigen Punkt: FREI-IM-ZIMMER-HALTUNG
Trivialnamen und dadurch nicht wissen, welches Tier man vor sich hat.
Viele Geschäfte verkaufen ihre Tiere unter Trivialnamen (Deutsche Namen) die manchmal zu so wunderlichen Fantasienamen, wie Pippi-Langstrumpf-Mantis oder Darth-Vader-Mantis führen. Manche Trivialnamen sind etabliert (Wie „Indische Riesengottesanbeterin“ für Hierodula membranacea), bei anderen wird’s aber dann schwierig.
Als Beispiel:
Die Bezeichnung „Blütenmantis“ gibt es zB für
- Creobroter gemmatus
- Creobroter spec. yunnan
- Pseudocreobotra wahlbergii
- Pseudocreobotra ocellata
(Creobroter und -creobotra sind andere Gattungen)
- Chlidonoptera lestoni
- Harpagomantis tricolor.
Diese Tiere stammen aus unterschiedlichen Gattungen und auch meist aus unterschiedlichen Teilen der Welt (Asien und Afrika), was zu unterschiedlichen Lebensweisen und Parametern führt.
Um das weiter zu verdeutlichen, hier noch ein Beispiel:
Creobroter gemmatus zB kommt aus Asien (warm und feucht), während hingegen Pseudocreobotra aus West-/Afrika stammt (heiß und trocken) Außerdem kann sich Pseudocreobotra nicht an glatten Oberflächen wie Glas festhalten, was zu einer anderen Einrichtung des Terrariums führt, und frisst nur fliegendes Futter. Krabbelndes Futter führt zu Verdauungsschwierigkeiten bzw. zum Ableben des Tieres.
Dasselbe gibt es auch bei Deroplatys Arten, die meist als Totes Blatt-Mantis verkauft werden. Der Stamm Deroplatys beinhaltet allerdings mindestens 12 verschiedene Arten. (D. lobata, D. desiccata, D. trigonodera, D. truncata, um die häufigsten zu nennen)
Deshalb ist es wichtig, immer den lateinischen Namen zu erfragen, sollte der nicht bekannt sein, das Tier bitte nicht kaufen, bzw. sich im Internet (Foren, oder bei mir) erkundigen.
Meist können sie recht gut bestimmt werden.
Bei mir findet Ihr immer die lateinische Artbezeichnung und auch den Trivialnamen (falls er eindeutig ist), da die meisten nach Trivialnamen suchen (Orchideenmantis oder Kronenfangschrecke, statt Hymenopus coronatus).
Bitte auch aufpassen, es kursieren unterschiedliche Haltungsparameter im Internet. Bitte vergleichen. Meist wird versucht, die Haltung der Tiere als möglichst unkompliziert darzustellen, weswegen Parameter angegeben werden, die mit wenig Technik und Aufwand zu erreichen sind. (Zimmertemperatur und geringe Luftfeuchtigkeit). Da die meisten Tiere aber aus sub/tropischen Gebieten stammen, ist das einfach falsch. Im Zweifel bitte schauen, wo das Tier natürlicherweise vorkommt und nach einer Klimatabelle im Internet suchen.
Falsches Futter (Obst und Fleisch)
Mantiden sind reine Insektenfresser. Diese Insekten müssen lebendig sein, in der richtigen Größe (Nicht größer als der Hinterleib der Mantide) und sollten nicht aus der Natur entnommen werden, da die aus der Natur meist mit Insektiziden, Milben und ähnlichem belastet sind. Außerdem gibt es eh schon zu wenige Insekten da draußen, und Futterinsekten werden genau für diesen Zweck gezüchtet. ;)
Auch eine Mantide ist was sie isst, deshalb die Futtertiere immer gut füttern. Wie ihr die Tiere am besten füttert, habe ich bei den BASICS vermerkt. Ungeeignetes Futter wie
- (gekochtes) Fleisch
- Obst
- Beetlejellys
- Kokoswasser
belasten nur den Organismus des Tieres, es muss Energie aufwenden, um etwas zu verdauen, was ihm nichts bringt (Nährstoffe etc.), oder im schlimmsten Fall sogar schadet. Natürlich fressen die meisten Mantiden das auch, was man ihnen hinhält, man muss sich aber fragen, was das Tier so den ganzen Tag in der Natur macht. Herumhängen und auf Insekten warten.
Es kommt in der Natur vor, dass sie auch mal was anderes erwischen. (Es wurde zB beobachtet, dass Mantiden Kolibris fressen) aber in der Heimhaltung bitte ich darum, solche Experimente zu vermeiden. Einige Arten sind darauf spezialisiert, nur Fliegendes Futter zu fressen. Bitte dran halten, wenn man denen zB. etwas krabbelndes füttert, kann es zu Verdauungsschwierigkeiten und zum Tod des Tieres führen.
Zu wenig oder zu viel Füttern
Mantiden haben kein Sättigungsgefühl, deshalb werden die meisten fressen, bis nichts mehr reinpasst. Man kann an der Größe des Abdomens (Hinterleib) den Ernährungszustand feststellen
Man benötigt aber ein bisschen ein Auge dafür. Kleine Stadien müssen öfter gefüttert werden, da deren Mägen nicht so groß sind, außerdem brauchen sie die Energie fürs Wachstum.
Ein Überfüttern resultiert meist im Übergeben (erkennbar an braunen Flecken im oder am Terrarium), sprich das Tier musste Energie aufwenden, und hat im Endeffekt danach wieder einen leeren Magen. Sollte man schwarze Streifen am Abdomen (Hinterleib) sehen, sind das die sogenannten Sternite (Zwischenhäute) des Abdomens. Wenn man die sieht, Jungtiere nicht mehr füttern, solange, bis der Hinterleib wieder auf eine reguläre Größe abgeschwollen ist.
Bei Adulten Tieren füttert man am besten weniger oft, dafür mehr. Bei adulten Weibchen kann es manchmal vorkommen, dass sie, obwohl sie schon ein paar Tage nichts gegessen haben, dick erscheinen, was daran liegt, dass sie gerade eine Oothek vorbereiten. Das ist ein bisschen ein kniffliger Punkt, da man das Tier auch hier nicht überfüttern sollte, da es ansonsten zu einem Legestau kommen kann und das Tier seine Oothek nicht rausbekommt.
Der Oothekenbau ist für das Tier trotzdem anstrengend und das Tier benötigt Proteine für den Bau. Adulte, paarungsbereite Männchen stellen meist irgendwann das Fressen ein. Da kann man schwer dagegen was tun.
Beim Füttern spielen Gefühl und Erfahrung mit, aber wenn man ein bisschen beobachtet, schafft man das auf alle Fälle.
Sich nicht mit dem Lebenszyklus der Tiere auseinandersetzen
Hier nochmals der Lebenszyklus einer Mantis erklärt.
Die erwachsene (Adulte) beflügelte weibliche Mantide hängt herum (nicht flugfähig, da zu schwer und zu kleine Flügel) und versprüht Pheromone (Sexuallockstoffe). Das Männchen (Adult, voll beflügelt, flugfähig) nimmt auf der Suche nach einem Weibchen diese Sexuallockstoffe mit seinen Antennen auf und nähert sich vorsichtig an das Weibchen an. Wenn er es schafft, springt er auf ihren Rücken, und die Paarung beginnt, indem er, einfach erklärt, seinen Hinterleib in ihren steckt und seine Spermatophore (Spermapaket) platziert. Diese Paarung kann von einer Viertelstunde bis zu über 24h oder noch länger dauern. Wenn er fertig ist, flüchtet er meistens oder wird vom Weibchen nach, oder während der Paarung gefressen um als Futter (Energie) für seine Nachkommen zu dienen.
Das Weibchen ist somit nun begattet und befruchtet seine Eier. Die Spermatophore wird danach wieder ausgeschieden. Das Weibchen beginnt dann (zT. dauert es auch ein paar Tage/Wochen) eine sogenannte Oothek (Eipaket) an einen Ast oder Rinde abzulegen, in dem es aus seinem Hinterleib eine schaumartige, proteinreiche Substanz absondert, in die es die Eier legt. Dann kommt wieder eine Schicht Schaum und dann wieder Eier, so lange, bis die Oothek fertig ist.
Die Oothek muss dann trocknen und schützt die Eier vor Umwelteinflüssen (Regen, Hitze, Kälte).
Weibchen legen im Laufe ihres Lebens ca. 6-8 dieser Ootheken in denen sich, je nach Art, 20-100 Eier befinden.
Aus dieser Oothek schlüpfen nach ca. einem Monat Jungtiere, die sich an einem seidenen Faden abseilen. Diese Jungtiere sehen noch nicht aus wie eine Mantis, sondern eher wie „Alien-Larven“, häuten sich dann zum ersten mal (L1) und steigen über den Faden nach oben, trocknen und härten aus und suchen dann meist schleunigst das Weite, da Ihre Geschwister gerne Appetit auf sie haben.
Diese junge Mantis frisst dann Insekten, die sie sich fängt und häutet sich in einem gewissen Abstand immer wieder, was zu einem meist doppelt so großen Tier führt. (L2, L3, L4 usw.). Nach 8 -10 Häutungen (abhängig von der Art) bekommt das Tier bei seiner letzten Häutung (Adulthäutung) seine Flügel, wird nach 2 Wochen (Männchen) bzw. 4 Wochen (Weibchen) geschlechtsreif und der Zyklus beginnt von vorne.
Männchen haben meist ein bis zwei Häutungen weniger als Weibchen und sind auch im Allgemeinen meist zierlicher und schlanker gebaut (Geschlechtdimorphismus). Die letzten beiden Stadien vor der Adulthäutung, bezeichnet man als Prä-subadult bzw. Subadult. Erkennbar ist das an den nun sichtbaren Flügelansätzen.
Wenn das Tier seine Flügel hat, kommt KEINE Häutung mehr.
Wichtig, Mantiden legen Ootheken, ob sie verpaart wurden oder nicht
Mehrere Mantiden halten, die Sichtkontakt zueinander, oder auch zu Spinnen etc. haben.
Falls Ihr mehrere Mantiden haltet, bitte schaut, dass die keinen Sichtkontakt zueinander haben. Mantiden empfinden Artgenossen oder auch andere Tiere (Spinnen, Skorpione etc.) entweder als Futter oder als Bedrohung. Gebt irgendwas zwischen die Terrarien. (Bei Mantiden die für die Gruppenhaltung geeignet sind, ist das nicht so schlimm) Trotzdem kann es auch hier zu Stress führen
Zu wenig Versteck/Tarnmöglichkeiten für das Tier im Terrarium bieten
Mantiden besitzen kein Gift oder ähnliches und sind deshalb auf andere Jagd- bzw. Verteidigungsstrategien angewiesen.
Nummer 1 ist die sogenannte Mimese. Sprich, das Tarnen als Laub, Äste oder Rinde, um mit der Umgebung zu verschmelzen. Sei es durch Aussehen, oder Verhalten (Wippen, komplettes Stillhalten)
Bitte gestaltet die Terrarien so, dass das Tier auch die Möglichkeit hat das zu tun. Ich empfehle, die Terrarien, vor allem bei Jungtieren nicht allzu voll zu räumen, da es sein kann, wenn zB. ein Ast zu tief sitzt, dass sich das Tier zu nahe am Boden häutet und dadurch eine Fehlhäutung erleidet.
Sprich, nach hinten gerne voller, aber vorne mehr Platz ohne Deko etc., sodass das Tier sich im besten Fall den höchsten Punkt im Terrarium sucht und von dort aus, genügend Platz nach unten hat, für seine Häutung.
Die Terrariengröße sollte mindestens das dreifache seiner Körperlänge nach unten sein. Ich empfehle unbedingt, das Arbeiten mit Rück- und/oder Seitenwänden, um dem Tier die Lauffläche zu erweitern und um es zumindest ein bisschen abzuschirmen. Keine Angst, manchmal zeigen sich die Tiere auch freiwillig. Ich habe es unzählige Male erlebt, dass wenn die Tiere einen kennen, sie mit den Flügeln kurz schlagen, um so „Hallo“ zu sagen. In der Natur könnte das ein fataler Fehler sein, aber es ist eine Ehre in der Heimhaltung.
Heizmatten unter dem Terrarium anbringen
Heizmatten niemals UNTER dem Terrarium anbringen.
Erstens haben Mantiden die Angewohnheit, wenn Ihnen zu warm ist, dass sie dann nach unten klettern. Wenn dann aber dort die Hitzequelle sitzt. kann das tödlich enden. In der Natur kommt Hitze IMMER von oben.
Zweitens kann eine unten angebrachte Heizmatte durch einen Hitzestau das Glas des Terrariums sprengen, bzw. die Heizmatte beschädigen, was zu einer gewissen Brandgefahr führt.
Ich rate generell von Heizmatten ab, auch von seitlich angebrachten.
Warum?
Wer schon mal in einer Infrarotkabine war, weiß was ich meine. Die Kabine bleibt vergleichsweise kühl, aber wir schwitzen. Infrarotwärme erhitzt eher Gegenstände und nicht die Luft. Ich verwende immer Wärmelampen für meine Terrarien.
UV ist nicht zwingend notwendig für die Tiere.
Terrarium nicht einlaufen lassen
Gerade, wenn es das erste Terrarium ist, ist es wichtig, das Terrarium nach dem Einrichten mal 2 Wochen in einem Leerbetrieb ohne Tier laufen zu lassen. So kann sich eventuell bildender Schimmel einpendeln, man kann den Parameterverlauf (Temperatur, Luftfeuchtigkeit) besser beobachten und kann auch schauen wie sich Pflanzen etc. entwickeln.
Pflanzen aus der Blumenhandlung
Solltet ihr echte Pflanzen verwenden, bitte diese nicht direkt aus der Blumenhandlung in ein Terrarium geben, da die meist mit Insektiziden und sonstigem belastet sind. Bei Pflanzen aus der Zoohandlung ist das meist nicht so ein Problem, trotzdem, gehe ich auch hier kein Risiko ein. Spült diese Pflanzen gut ab und lasst sie 1-2 Wochen einfach mal stehen bzw. gebt sie in Quarantäne. Was auch sein kann ist, dass Pflanzen mit Schädlingen belastet sind (Blattläuse, Spinnmilben, Thripse, Trauermücken etc.). Wenn ihr diese Pflanzen in ein Terrarium gebt, kann es sein, dass sich die Schädlinge auf eure restlichen Pflanzen ausbreiten. Und wer schon mal mit zB. Trauermücken zu tun hatte, weiß, wie lästig die sind und wie schwer man die wieder loswird.
Gegen Trauermücken haben sich bei mir in den Terrarien, Nematoden (Steinernema feltiae) bewährt. Bei meinen Zimmerpflanzen gieße ich mit Neem-Öl.
Metallgaze nicht abgedeckt
Dieser Punkt ist mehr als Empfehlung zu sehen, falls bei eurem Tier die Tarsen (vorderstes Glied am Fangbein) fehlen. Die Tiere können sich an Lochblechen oder auch an der Metallgaze (Exoterra) die Beine abreißen. Bei Exoterras hilft es die Metallgaze, da sie über die komplette Fläche läuft, mit Fliegengitter oder Kunststoffgaze abdecken. Außerdem laufen die Tiere einfach ungern darauf. Wenn es nur ein Streifen Lochblech ist, dann einfach dem Tier mit Ästen quer an der Decke alternative Möglichkeiten zum Klettern oder Häuten bieten.
Tipps für den Umgang mit Futtertieren
Drosophila (flugunfähige Obstfliegen)
Verfüttern: Am besten funktioniert es, wenn man die Dose für 10-15 Minuten in den Kühlschrank stellt, die Drosophila verfallen in eine Kältestarre, aus der sie nach ein paar Minuten wieder erwachen. Den Becher kurz auf den Boden klopfen, dann fallen etwaige Drosophila am Strumpf runter. Den Strumpf am Becher der Drosophiladose an einer Ecke öffnen und leicht drauf klopfen. Die Drosophila fallen von selbst raus.
Tipps:
Wenn man nur wenige Fliegen benötigt, zahlt es sich aus, die Fliegen im Kühlschrank zu lagern, das fährt ihren Stoffwechsel herunter. Aber jeder Drosoansatz findet früher oder später sein Ende. Die Fliegen ernähren sich von dem Brei im Becher und müssen nicht zugefüttert werden.
Bitte auf eventuelle Milben achten. Die sind leider kaum zu vermeiden, wenn möglich solche Ansätze nicht mehr verfüttern.
Ansätze weiterkultivieren
Ansätze können auch leicht weiterkultiviert werden. Einfach einen Becher nehmen, Nährsubstrat rein, am besten NEKTON DROSOPHILA (bei mir erhältlich)
Holzwolle drauf, ein paar Drosophila (40 -60Stück) aus dem zuvor gekauften Ansatz rein und einen Strumpf drauf. Nach ein paar Tagen, sollten Maden zu sehen sein, dann Puppen und nach ca. 14 Tagen sollten die Fliegen schlüpfen. Bitte nicht stapeln oder warm stellen. Die Maden kriechen dann nach oben, und ich spreche aus eigener Erfahrung. Das wollt ihr nicht ;) Außerdem stellen Drosophila die Eiproduktion ein, wenn ihnen zu warm wird.
Gold- und Schmeißfliegen
Am besten in einem Anglerladen oder einem Zoogeschäft eine Dose Maden kaufen. Maden unbedingt im Kühlschrank lagern, die gewünschte Menge jeweils herausnehmen und in einer nicht luftdichten Dose an einem warmen Ort verpuppen lassen. Nach dem Verpuppen füll ich sie meist in ein Glas mit einem Strumpfschlauch drauf.
Nach ca. 10 Tagen (Temperaturabhängig) schlüpfen die Fliegen. Nicht vergessen, diese Fliegen zu füttern. Am besten hat sich bei mir Zuckerwasser bewährt, dass ich in Flaschenverschlüsse mit Watte fülle. Ansonsten, Honigwasser (wird schneller schlecht) oder Obst. Keine Wurst oder ähnliches, die adulten Fliegen legen ihre Eier auf Fleisch, und das wollt ihr nicht. :)
Diese Fliegen kann man kurz vor der Entnahme wieder in den Kühlschrank stellen. Ich verzichte aber darauf und mache es meist so, dass ich sie in den Strumpf locke (Einfach langziehen oder Licht benutzen) und wenn dann eine Fliege raufklettert, mache ich hinter Ihr mit 2 Fingern den Strumpf zu und fische sie oben mit der Hand heraus. Das braucht vielleicht ein bisschen Übung, am besten draußen probieren, wenn man keine Fliegen im Zimmer herumschwirren haben will.
Apropos: Mantidenterrarien sind exzellente Fliegen-und-was-sich-sonst-so-in-den- Sommernächten-ins-Zimmer-verirrt-Fänger. Terrarium öffnen, alle Lichter bis auf das bei der Mantis ausschalten und abwarten ;)
Was auch funktioniert, ist die Methode dass man die Puppen in das Terrarium legt. Persönlich habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass vor allem in trockeneren Terrarien (50 Prozent Luftfeuchte) die Schlupfrate deutlich schlechter ist.
Mehlwürmer und Zoophobas (Schwarzkäferlarven)
Mehlwürmer und Zoophobas (Schwarzkäferlarven) bitte nicht zu oft verfüttern, da sie ziemlich fetthaltig sind und sich außerdem erstaunlich gut zur Wehr setzen können. Um etwaige Plagen zu vermeiden, verfüttere ich diese Tiere nicht im Terrarium, sondern wenn ich die Mantis rausnehme, da sie sich meistens schnell ins Substrat eingraben 😉 Am besten die Würmer in eine Faunabox geben, und Gurke und hartes Brot reichen.
Grillen und Heimchen
Ich persönliche halte die in einer Faunabox gefüllt mit (sauberen) Eierkartons, Ästen und Sand als Bodengrund. Als Trockenfutter haben sich bei mir Haferflocken, Fischflocken, Spirulinasticks und ähnliches bewährt.
Als Feuchtfutter Gurke, Paprika, Salat. Obst wird meist verschmäht. Feuchtfutter bitte immer gut abwaschen, da es meist mit Insektiziden und Pestiziden belastet ist.
Wichtig ist, Heimchen und Grillen immer gut mit Futter und Wasser zu versorgen, da sie zu Kannibalismus neigen. Sie verschmähen auch das ein oder andere gekochte Ei nicht. Seit ich Ihnen immer tierische Proteine anbiete, (Fischflocken) hält sich auch der Kannibalismus in Grenzen.
Nach dem Kauf in der Zoohandlung sind die Heimchen und Grillen meist sehr hungrig und durstig, bitte zuerst füttern, bevor sie dann selbst als Futter dienen können. Hungrige Heimchen oder Grillen, können auch einer frisch gehäuteten Gottesanbeterin gefährlich werden. Generell beobachte ich bei Grillen und Heimchen ob mein Tier die auch erwischt hat. Das kann nämlich kritisch sein, wenn die Gottesanbeterin sich bald häutet.
Jede Woche bis 10 Tage reinige ich den Behälter mit heißem Wasser.